Strompreise im Herbst 2026: Was Sie jetzt prüfen sollten

Neue Stromtarife sind seit dem Frühjahr teurer geworden. Für viele Haushalte lohnt der Wechsel trotzdem. Für manche gerade nicht. Ein Check in zehn Minuten.

24.09.20263 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet: Günstige Neutarife kosten im September rund 30 Cent je Kilowattstunde, deutlich mehr als im Februar. Bestandskunden zahlen im Schnitt etwa 32 Cent. Wer in der Grundversorgung ist, spart beim Wechsel oft über 300 Euro im Jahr. Wer einen normalen Vertrag unter 30 Cent hat, kann ihn meist behalten.

Im Februar lag der günstigste Neukundentarif laut Verivox bei rund 24 Cent je Kilowattstunde. Dann begann der Krieg gegen Iran, der Gaspreis schoss nach oben, und Strom wurde an der Börse mit teurer. Ende März kostete derselbe günstigste Tarif rund 28 Cent. Seitdem hat sich der Markt etwas beruhigt, ist aber nicht zurück auf dem alten Stand. Im September ziehen die Preise wieder leicht an.

Für Sie als Kunde heißt das: Die richtig günstigen Angebote aus dem Winter gibt es gerade nicht. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt deshalb stärker als sonst davon ab, was Sie heute zahlen.

Schritt 1: Ihren echten Preis ausrechnen

Nehmen Sie die letzte Jahresabrechnung und teilen Sie den Gesamtbetrag in Euro durch die verbrauchten Kilowattstunden. Heraus kommt Ihr tatsächlicher Preis inklusive Grundgebühr. Ein Beispiel: 1.190 Euro für 3.500 Kilowattstunden ergeben 34 Cent je Kilowattstunde.

Hat Ihr Anbieter seitdem den Preis geändert, nehmen Sie die Werte aus dem letzten Preisbrief oder aus Ihrem Kundenkonto. Arbeitspreis mal Verbrauch plus zwölfmal Grundpreis, das Ergebnis geteilt durch den Verbrauch.

Schritt 2: Einordnen

  • Über 35 Cent: Sie zahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu viel. Vergleichen lohnt sich fast immer.
  • Zwischen 30 und 35 Cent: Schauen Sie, wann Ihre Preisgarantie oder Mindestlaufzeit endet, und vergleichen Sie rechtzeitig davor.
  • Unter 30 Cent: Sie liegen im aktuellen Markt gut. Ein Wechsel bringt meist nur einen kleinen zweistelligen Betrag.

Die Grenzen sind eine grobe Orientierung. In Regionen mit hohen Netzentgelten liegen auch gute Tarife etwas darüber.

Wer jetzt auf jeden Fall wechseln sollte

Wenn Sie nie einen Vertrag abgeschlossen haben, nach einem Umzug nichts unternommen haben oder auf der Rechnung das Wort Grundversorgung steht, zahlen Sie den teuersten Preis im Markt. StromAuskunft nennt dafür aktuell rund 40 Cent je Kilowattstunde. Ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden spart beim Wechsel in den günstigsten Tarif rund 359 Euro im Jahr. Warten auf fallende Preise lohnt sich bei diesem Abstand nicht.

Wer gelassen bleiben kann

Überraschend viele. Bestandskunden zahlten im August laut Verivox im Schnitt 32,3 Cent, kaum mehr als zu Jahresbeginn. Der Abstand zu neuen Tarifen ist dadurch so klein wie lange nicht. Strom-Report beziffert die Ersparnis beim Wechsel aus einem normalen Vertrag im September auf rund 76 Euro bei 4.000 Kilowattstunden. Das kann sich lohnen, muss aber nicht, wenn Sie mit Ihrem Anbieter zufrieden sind.

Darauf achten Sie beim neuen Tarif

  • Keine Vorkasse und keine Kaution. Geht der Anbieter pleite, ist das Geld in aller Regel weg.
  • Den Preis ohne Bonus ansehen. Ein Neukundenbonus gilt nur im ersten Jahr, danach zahlen Sie den regulären Preis.
  • Eine Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten. Wer über den Winter und den Jahreswechsel hinaus Ruhe will, kann 24 Monate wählen und nimmt dafür oft einen etwas höheren Arbeitspreis in Kauf.
  • Das Enddatum der Garantie in den Kalender eintragen und vier bis sechs Wochen vorher neu vergleichen.

Häufige Fragen

Warum ist Strom teurer geworden, obwohl wenig Strom aus Gas kommt?

Nur etwa 17 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Gaskraftwerken. An der Börse bestimmt aber oft das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Preis für alle, und das ist häufig eines, das mit Gas läuft. Steigt der Gaspreis, steigt der Börsenstrompreis mit.

Soll ich mit dem Wechsel warten, bis die Preise fallen?

Aus der Grundversorgung nein, der Abstand ist zu groß. Bei einem normalen Vertrag kommt es auf Ihren aktuellen Preis an. Eine verlässliche Prognose, wann Tarife wieder günstiger werden, gibt es nicht.

Bekomme ich als Bestandskunde bald eine Preiserhöhung?

Bisher sind die Preise für Bestandskunden kaum gestiegen. Zum Jahreswechsel können neue Netzentgelte dazukommen. Eine Erhöhung muss Ihr Anbieter vorher ankündigen, und Sie dürfen dann sofort kündigen.

Quellen

  • Verivox, Pressemitteilung vom 25.3.2026 und Strompreisentwicklung (Haushaltspreis August 2026)
  • Strom-Report, Strompreise (Stand 24.9.2026) und Strompreisentwicklung (Stand 23.9.2026)
  • StromAuskunft, Strompreise (Stand 23.9.2026)
  • Stand: 24.09.2026