Gasspeicher halb voll: Was Gaskunden vor dem Winter tun können

Die deutschen Gasspeicher sind so leer wie selten im Herbst. Frieren muss deshalb niemand. Die Heizkosten sollten Sie trotzdem jetzt im Blick haben.

24.09.20264 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet: Mitte September waren die Gasspeicher zu gut 56 Prozent gefüllt, fast 20 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Die Bundesnetzagentur hält die Versorgung für gesichert. Das Risiko für Haushalte liegt beim Preis. Prüfen Sie jetzt Ihren Gastarif und den Abschlag und senken Sie, wo es leicht geht, die Raumtemperatur.

Am 14. September lag der Füllstand der deutschen Gasspeicher bei 55,92 Prozent. Vor einem Jahr waren es zur gleichen Zeit knapp 20 Prozentpunkte mehr. Der Grund ist vor allem der Preis: Seit dem Irankrieg ist Gas so teuer, dass es sich für Händler kaum lohnt, im Sommer einzulagern. Die Bundesregierung hat inzwischen den staatlichen Gasimporteur Sefe dazu gebracht, zusätzlich einzukaufen.

Muss ich im Winter frieren?

Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur nicht. Anfang September lag bereits mehr Gas in den Speichern, als im gesamten letzten Winter entnommen wurde, und der war kalt. Deutschland bekommt Gas laufend über Pipelines aus Norwegen und den Nachbarländern sowie über vier Flüssiggasterminals. Auch der Energieverband BDEW sieht derzeit keine Mangellage.

Knapp würde es erst bei einem sehr langen, sehr kalten Winter. Privathaushalte gehören dann zu den geschützten Kunden, die als Letzte eingeschränkt würden. Wahrscheinlicher als eine kalte Wohnung sind steigende Preise.

Was mit Ihrem Gaspreis passiert

Laufende Verträge reagieren langsam, weil Versorger ihr Gas meist Monate im Voraus einkaufen. Bestandskunden haben im Sommer deshalb nur vereinzelt Preiserhöhungen bekommen. Neue Tarife sind schon teurer: Der günstige Neukundentarif lag laut Verivox im August bei rund 9,94 Cent je Kilowattstunde, etwa 1,5 Cent mehr als vor dem Krieg. Bei 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, typisch etwa für 100 Quadratmeter in einem älteren Gebäude, sind das rund 225 Euro mehr im Jahr.

Ihr Gascheck vor dem Winter

  • Tarif prüfen: Auf der letzten Abrechnung steht, ob Sie in der Grundversorgung sind und bis wann Ihre Preisgarantie läuft. Grundversorgung ist auch beim Gas fast immer der teuerste Weg.
  • Abschlag anpassen: Haben Sie den Abschlag im Sommer gesenkt oder knapp angesetzt, erhöhen Sie ihn jetzt um ein paar Euro. Das tut weniger weh als eine Nachzahlung von mehreren hundert Euro im Frühjahr. Die meisten Versorger ändern ihn im Kundenkonto.
  • Preisbrief ernst nehmen: Kündigt Ihr Versorger eine Erhöhung an, dürfen Sie sofort kündigen und wechseln. Vergleichen Sie vorher, ob andere Anbieter wirklich günstiger sind.
  • Zählerstand notieren: Fotografieren Sie den Gaszähler am 1. Oktober. Mit dem Wert vom Frühjahr sehen Sie, wie viel Sie wirklich verheizen.

Heizkosten senken, ohne zu frieren

Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart nach Angaben von Umweltbundesamt und Verbraucherzentralen rund sechs Prozent Heizenergie. Wer das Wohnzimmer von 22 auf 20 Grad stellt, spart bei 15.000 Kilowattstunden grob 1.800 Kilowattstunden, beim aktuellen Neukundenpreis also etwa 180 Euro. Schlafzimmer und Flur dürfen kühler sein.

Gluckern die Heizkörper oder werden sie oben nicht richtig warm, lohnt das Entlüften mit einem Vierkantschlüssel aus dem Baumarkt. Möbel und lange Vorhänge vor dem Heizkörper halten die Wärme zurück. Und Stoßlüften ist besser als ein dauerhaft gekipptes Fenster.

Vom Heizlüfter als Ersatz raten wir ab. Ein Gerät mit 2.000 Watt verbraucht in einer Stunde zwei Kilowattstunden Strom, das sind rund 60 Cent. Für ein paar Minuten im kalten Bad geht das, als Dauerlösung ist es deutlich teurer als die Gasheizung.

Und der Strompreis?

Teures Gas macht auch Strom an der Börse teurer, vor allem abends, wenn keine Sonne scheint. Wer einen festen Stromtarif hat, merkt davon kurzfristig nichts. Wer einen dynamischen Tarif nutzt, sollte Waschmaschine und Geschirrspüler im Winter möglichst nicht zwischen 17 und 20 Uhr laufen lassen. Am 14. September kostete die Kilowattstunde in einem dynamischen Tarif laut Energiemarie zwischen 19 und 20 Uhr über einen Euro, am frühen Nachmittag rund 39 Cent.

Häufige Fragen

Reicht das Gas für den Winter?

Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ja. In den Speichern liegt bereits mehr Gas, als im ganzen letzten Winter verbraucht wurde, dazu kommen laufende Importe. Privathaushalte sind bei einer Knappheit besonders geschützt.

Wird mein Gas jetzt teurer?

Neue Tarife sind es bereits, rund 1,5 Cent je Kilowattstunde mehr als vor dem Krieg. Bestehende Verträge reagieren langsamer. Eine Erhöhung muss Ihr Versorger vorher ankündigen, dann haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

Soll ich meinen Gasabschlag erhöhen?

Wenn Sie ihn knapp angesetzt haben oder Ihr Preis gestiegen ist, ja. Rechnen Sie den Jahresverbrauch mal den aktuellen Arbeitspreis plus Grundpreis und teilen Sie durch zwölf. Liegt der Abschlag deutlich darunter, droht eine Nachzahlung.

Quellen

  • Bundesnetzagentur, Speicherfüllstände (Stand 23.9.2026)
  • Presse.Online mit dpa-Daten (16.9.2026)
  • dpa via Wirtschaftsticker (12.9.2026)
  • Tagesspiegel zu Sefe-Käufen und Klaus Müller (September 2026)
  • ZfK, Gasvertrieb (18.8.2026)
  • BDEW Quick-Check Gas- und Strompreise (22.9.2026)
  • Umweltbundesamt und Verbraucherzentralen zum Heizen
  • Energiemarie, Strompreis heute (14.9.2026)
  • Stand: 24.09.2026